Buchbesprechung: Der Tätowierer von Auschwitz

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Buchbesprechung

So wie „Schönheit im Auge des Betrachters liegt“ (Thukydides), hängt es von den Erwartungen an ein Buch ab, ob es einem gefällt oder nicht. Verständlicherweise gibt es daher gerade zu diesem Buch sehr unterschiedliche Bewertungen. In einer Rezension des Focus wird das Buch zwar insgesamt empfohlen aber dennoch kritisiert, dass die wahre Geschichte zu einem Roman verarbeitet wurde und die Authentizität darunter leidet. Die FAZ schreibt, „dass das Konzentrationslager wie ein Camp und dessen Schlächter wie freundliche, tumbe Zeitgenossen, eine „Light-Version“ des Grauens, erscheinen“. In einer Kundenrezension „wer nur einen rettet, rettet die Welt“ ist zu lesen: „Das Buch schildert sehr gefühlvoll von Lales Zeit in Auschwitz. Und zieht den Leser sogleich in seinen Bann.“

Worum geht’s?

1942 wird Ludwig (Lale) Eisenberg nach Auschwitz deportiert, wo er kurz darauf durch Zufall zum „Tätowierer von Auschwitz“ wird. Diese Stelle machte ihn zum einen zum Handlanger der SS, verschafft ihm aber Privilegien mit denen er sich und andere am Leben halten kann. Als Tätowierer fällt ihm die Aufgabe zu, den Gefangenen die fünfstelligen Zahlen auf die Unterarme zu tätowieren, die zum Symbol für unbeschreibliche Gräuel werden sollten. Im Juli 1942 sticht er eine weitere Nummer – 34902 – in den dünnen Unterarm eines Mädchens, der Beginn einer großen Liebe. Gita ist eine Gefangene im Frauenlager Birkenau.

Meine Bewertung

Man sollte sich beim Lesen bewusst darüber sein, dass man einen auf Tatsachen beruhenden Roman liest. Das beinhaltet auch, dass der Geschichte und Dramaturgie etwas Freiraum gegeben wird. Wer das Buch vor diesem Hintergrund liest, wird von dem Buch fasziniert sein. Auch wenn das Grauen dieses Ortes nicht immer in jedem Detail beschrieben wird, regt es vielleicht auch gerade deswegen umso mehr zur Reflektion an. Ich frage mich bei diesem Thema immer wieder: Auf welcher Seite hätte ich gestanden? Aus heutiger Sicht ist das eine leicht zu beantwortende Frage. Beschäftigt man sich allerdings etwas mehr mit der Wirkung von Massenphänomenen und Indoktrinierung, geht die Frage mit einem beunruhigenden Gefühl einher. Das Buch hat mir aber auch ganz viele andere Denkanstöße gegeben. Was macht Liebe aus, was wahre Freundschaft? Wie gehe ich mit Lebensmitteln um und wie selbstverständlich ist der Luxus, warme Kleidung und ein warmes zu Hause zu haben? Über welche Dinge ärgere ich mich im Alltag und wie wichtig sind diese Dinge wirklich?

Empfehlung

So wie bei anderen Themen auch, sollte man sich dem Holocaust auf unterschiedlichen Wegen und aus verschiedenen Perspektiven nähern. Die Information zur Anzahl der pro Tag gegossenen Goldbarren aus Zahngold bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz oder das Buch „But I survived“ von Tadeusz Sobolewicz geben z.B. solche andere Perspektiven und Einblicke. Egal, wieviel man sich mit dem Thema beschäftigt, das Grauen wird man niemals wirklich erfassen können.

Fazit

Ich würde das Buch jedem wärmstens ans Herz legen. Gerade auch die englische Version des Hörbuchs ist wirklich lohnenswert. Angesichts des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau (am 27.01.2020) und der gesellschaftlichen Entwicklungen leistet das Buch einen tollen Beitrag, sich auch auf „einfachere“ Art diesem Thema zu nähern.

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